Dänisch-norwegisches Dillenbajonett M/1765


Geschichte


Das dänisch-norwegische Dillenbajonett M/1765 ist ein recht früher Vertreter der Dillenbajonette, welche mit Hilfe einer Federpflanzung zusätzlich am Gewehr fixiert wurden.

Der Federhaken am Gewehr griff bei diesem Stück nicht in ein Loch oder einen Exzenter an der Dille, sondern umschloss den wulstartigen Reifen, welcher die hintere Dillenseite umschließt und gleichzeitig die Brücke bildet. Diese Lösung stellt eine stabilere Variante der in dieser Zeit üblichen Federpflanzungen dar. Diese besaßen meist Federhaken, welche in einfach gebohrte Löcher in der Dille griffen, was keinen allzu stabilen Halt erzeugte.

Das Gewehr M/1765 wird in der Literatur oft auch als M/1769 bezeichnet. Dies liegt daran, dass das Muster zwar schon am 08. Mai 1765 angenommen, jedoch von König Friedrich V. nicht mehr eingeführt wurde. Er starb immerhin schon Anfang Januar 1766 und vernachlässigte bekanntlich in den letzten Lebensjahren die Staatsgeschäfte und verfiel der Trunksucht.

Die endgültige Annahme des Gewehrs erfolgte schließlich durch seinen Sohn Christian VII., welcher das Gewehr samt Bajonett nach einer Probe von 1769 einführte.

Betrachtet man den weit ausladenden Bajonettarm, sowie die doch stark geschränkte (also gebogenen) Klinge des Dillenbajonetts M/1765, wird deutlich, wieso dies nötig war. Das Gewehr M/1765 besaß einen konischen Ladestock, welcher zum Laden aus der Ladestocknut gezogen und dann gedreht werden musste, bevor man damit die Kugel in den Lauf stoßen konnte.

Damit sich der Schütze beim Laden nicht am Bajonett verletzte, musste die Klinge entsprechend weit von der Mündung weg. Dies erreichte man mit den langen Bajonettarmen und stark geschränkten Klingen. Die Klingen sind also bewusst so gefertigt und nicht nachträglich verbogen worden.

Bei den Gewehren nach dem Muster 1774 wurde ein konischer Ladestock eingeführt. Der Schütze sparte sich also das Drehen des Stocks vor dem Ladevorgang, was der Feuergeschwindigkeit zu Gute kam.

Nach 1769 wurden insgesamt 9270 Gewehre samt Bajonett nach dem Muster 1765 gefertigt.

Die Fertigung aller Stücke erfolgte in der Waffenmanufaktur in Kronborg und verteilte sich auf insgesamt drei Fertigungsintervalle:

1769: 2969 Stück

1773: 3000 Stück

1774: 3301 Stück

Die jeweiligen Stückzahlen beinhalten Gewehr samt Bajonett, da zur damaligen Zeit zu jedem Gewehr das Dillenbajonett per Hand aufgepasst wurde.

Eine Modernisierung des Musters 1765 hatte zu Folge, dass 1774 dies konstruktiv überarbeitete und modernisierte Gewehr als M/1774 eingeführt und weitergefertigt wurde.

Ein Vergleich von mehreren Dillenbajonetten M/1765 zeigt eindeutig, dass diese doch frühen Stücke starke fertigungsbedingte Differenzen aufweisen. Jedes Bajonett musste also zwangsläufig zu dem zugehörigen Gewehr angepasst, bzw. aufgepasst werden, was zur damaligen Zeit üblich war.

Die „äußeren Rahmenbedingungen“ der Bajonette gleichen sich in der Regel. Dies heißt, dass sie alle ziemlich genau die gleiche Gesamtlänge aufweisen, die Dillenlängen in etwa gleich sind und auch die Klingen in gleicher weise ausgeschmiedet wurden.

Starke Unterschiede treten im Detail auf.

So differieren die Gangeinschnitte bei unterschiedlichen Stücken sehr stark. Konkret sind die Einschnitte von Stück zu Stück etwas versetzt. Auch die Breiten und Längen der einzelnen Einschnitte (beim M/1765 ist der Gang drei Fach gebrochen) differieren sehr stark. Somit wird klar, dass die Bajonetthaften an den Gewehren bei weitem nicht gleich waren. Und zwar weder in ihrer Form noch der Platzierung.

Auch der Durchmesser der Dillen unterscheidet sich sehr stark. Daraus lässt sich schließen, dass die zugehörigen Läufe starke fertigungsbedingte Differenzen in den Stärken der Laufwandungen aufwiesen. Auch dies ist typisch für die Zeit.

Ein Dillenbajonett ließ sich in dieser Zeit also erst anfertigen und aufpassen wenn der Lauf fertig und mit einer Bajonetthaft (im konkreten Fall auch mit Haltefeder) versehen war. Dieser soweit fertige Lauf ging dann zum Bajonettschmied, welcher zu diesem Lauf ein Bajonett anfertigte und zum jeweiligen Lauf anpasste.

Das Aufpassen erfolgte in dieser Zeit in der Regel durch befeilen, nicht durch drehen. Dille, Mündung und Bajonetthaft wurden bei diesem Arbeitsschritt solange bearbeitet, bis sich die Dille weitgehend spielfrei auf den Lauf aufschieben und verriegeln ließ. Dabei kam es auf einem zum Außendurchmesser des Laufes passenden Innendurchmesser der Dille, sowie einem exakt zur Bajonetthaft angepassten Gang an. Da beim Dillenbajonett M/1765 zudem noch der Federhaken um die Dillenwulst griff, musste auch dies berücksichtigt und ggf. korrigiert werden um einen einwandfreien halt zu gewährleisten.

Somit ist ersichtlich, dass der Arbeitsaufwand, um ein Dillenbajonett herzustellen und einwandfrei zum Gewehr anzupassen, nicht zu verachten war. Aus diesem Grunde waren gute Bajonettschmiede in dieser Zeit sehr gefragte Fachleute.

Technische Daten:

Der sichere Halt des Dillenbajonetts M/1765 wird im Wesentlichen durch drei Punkte erreicht.

1:

Die Dillenlänge an sich. Bei diesen frühen Stücken finden sich in der Regel Dillenlängen von circa zehn Zentimeter. Je länger eine Dille war, desto mehr Halt erzielte man, da die Auflagefläche am Lauf bei langen Dillen recht groß war.

2:

Der dreifach gebrochene Gang in Verbindung mit Bajonetthaft am Gewehr. Auch dieser ist typisch für Dillenbajonette dieser Zeit. Reine Steckbajonette wie das britische Brown Bess Bajonett besaßen nur diese beiden Eigenschaften (Lange Dille, dreifach gebrochener Gang), um einen einigermaßen stabilen Sitz zu erreichen.

3:

Die Haltefeder am Gewehr. Diese Griff um die Dillenwulst und fixierte so das Bajonett, welches durch den Halt nicht verrutschen und sich so lösen konnte. Ein dauerhaftes sicheres Aufpflanzen auf das Gewehr war somit möglich.

Das Dillenbajonett M/1765 besitzt eine Klinge mit dreikantigem Querschnitt. Der breitere Klingenrücken ist flach und in die beiden schmaleren Seiten ist jeweils eine Hohlkehle eingeschmiedet. Die Klinge endet in einer recht markant geschmiedeten Klingeschulter mit weit ausladendem Bajonettarm.

Der Reifen, welcher die Dillenwulst samt Brücke bildet ist hart aufgelötet. Das Bajonett ist wie auch die Metallteile am Gewehr, weiß gefertigt.

Vergleicht man mehrere Stücke dieses Typs, werden sich die verschiedenen Bajonette kaum gleichen. Die fertigungsbedingten Unterschiede wurden im Text bereits beschrieben. Nur die „allgemeinen Merkmale“ wie Gesamtlänge, Klingenlänge oder Dillenlänge gleichen sich in der Regel bis auf wenige Millimeter.


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