Das bayerische Dillenbajonett M/1804


Geschichte


Die Bewaffnung der königlich bayerischen Armee in der Anfangszeit des 19.Jhdts, also eine politisch sehr angespannte kriegerische Zeit, war alles andere als einheitlich. So fanden sich neben Waffen französischen Ursprungs vor allem österreichische Modelle in den Reihen der bayerischen Armee.

In Bayern wurde der Bedarf an militärischen Waffen bis 1801 im Armaturenwerk Fortschau gefertigt. Die Fertigung geschah durch ansässige Büchsenmacher, welche die Waffenteile bei Bedarf anfertigten und zur Endmontage nach Fortschau lieferten Auch wurden von diesen Büchsenmachern komplette Waffen abgeliefert. Diese Art der Fertigung war logischerweise sehr Nachteilig, wenn man im besonderen Maß durch kriegerische Umstände größeren Bedarf an Waffen hatte als in der Friedenszeit.

Diese Zeit war geprägt durch den zweiten Koalitionskrieg, in dem das Kurfürstentum Bayern unter anderem an der Seite Österreichs gegen Frankreich kämpfte und sollte mit dem dritten Koalitionskrieg ab 1805 direkt in die Befreiungskriegszeit münden. Eine mit Kriegen durchzogene, sozusagen politisch höchst prekäre Zeit.

Im Zuge des verlorenen zweiten Koalitionskrieges, welcher mit dem Frieden von Lunéville am 09.Februar 1801 besiegelt wurde, entstand eine sehr angespannte Situation in Bezug auf die Bewaffnung der bayerischen Armee. Zum einen fehlten die in den Schlachten verlorenen Waffen, zum anderen wurde das Münchner Zeughaus bereits 1800 durch französische Truppen ausgeräumt. Dabei sind die als Ersatz bestimmten Waffen verloren gegangen, zugleich fehlten diese einer neu aufzustellenden Armee.

Um diese Lücken zu schließen kamen die besagten österreichischen Waffen in großen Stückzahlen in bayerische Dienste. Vor allem das Gewehr M/1798 sollte für die weitere bayerische Bewaffnung eine leitende Stellung einnehmen. Nachdem sich Bayern durch den Bogenhausener Vertrag an Napoleons Kaiserreich band, eröffnete dies zusätzliche Quellen für die Waffenbeschaffung, indem Frankreich große Mengen an österreichischen Beutewaffen an seine neuen Verbündeten abtrat.

Doch vorerst zurück zu den bayerischen Fertigungsstandorten.

Wie bereits erwähnt war das Armaturenwerk in Fortschau zu klein, um die großen Lücken in der Bewaffnung der bayerischen Armee schließen zu können. Dies führte 1801 zur Gründung der kgl. bayr. Gewehrfabrik in Amberg. Federführend bei der Gründung war der ehemals in französischen Diensten stehende General Manson. Dieser sollte auch die Leitung der Entwicklung eines neuen Gewehrs innehaben, welches das heute als Manson Gewehr bekannte Modell 1804 ist. Vorläufer dieser Waffe wurden ab der Gründung der Gewehrfabrik 1801 hergestellt.

Um ältere bayerische Gewehre weiter verwenden zu können, wurde das altbayerische Kaliber 17,8mm auch beim neuen Gewehr M/1804 verwendet. Die Gewehre hatten zudem zylindrische Ladestöcke, welche beim Laden nicht mehr gedreht werden mussten, was der Schussgeschwindigkeit zugute kam. Die Pulverpfannen waren, wie beim österreichischen M/1798, nicht selbstaufschüttend, sodass der bereits eingeführte (und auf die österreichischen Gewehre M/1798 abgestimmte) Ladedrill nicht geändert werden musste.

Auch das bayerische Dillenbajonett M/1804 weist eindeutig österreichische Einflüsse auf. So ist die kreuzförmige Klinge (vier Rippen) typisch österreichisch. Die Befestigung jedoch ist ohne österreichischen Einfluss gewählt worden. Im Gegensatz zur Federhakenpflanzung des österreichischen M/1798 oder der Federpflanzung des österreichischen M/1799 bzw. preußischen M/1809, wurde eine wesentlich stabilere Sperrringpflanzung mit einfachem, nicht gebrochenen Gang verwendet.

Die Federhakenpflanzung, wie sie bei den österreichischen Gewehren einige Jahrzehnte üblich gewesen ist, war, wenn man so will, ein eher unglücklicher Versuch, ein Dillenbajonett ohne Sperrring dauerhaft zu fixieren.

Der gefederte Haken an der Unterseite des Gewehrlaufes griff dabei beim Aufstecken des Bajonetts in ein Loch, welches in die Dille gebohrt wurde. Dies sollte so zusätzlichen Halt verschaffen. Das Bajonett war dadurch vor Verdrehen bzw. Lösen einigermaßen gesichert, sodass das Bajonett an seinem Platz blieb.

Dass diese Verbindung, basierend auf einem schwachen Haken mit kleinem Loch, nicht besonders stabil war, leuchtet ein. Selbst die dagegen wesentlich stabilere Weiterentwicklung der Federhakenpflanzung, welche als reine Federpflanzung nach österreichischem Modell 1799 bezeichnet wird (auch bei den preußischen M/1809, M/1839 und M/1841 verwendet), hinkt der Sperrringpflanzung in punkto Stabilität hinterher.

Der bayerische Weg war eindeutig ein besserer.

Das Bajonett M/1804 wird gerade auf den Lauf gesteckt, die an der Unterseite des Laufes angebrachte quaderförmige Bajonettwarze greift dabei in den geraden Gang des Bajonetts ein. Nach dem Umlegen des Sperrrings ist das Bajonett solide mit dem Lauf verbunden.

Dies war ein nicht zu verachtender Vorteil gegenüber den reinen Steckbajonetten wie sie bis um die Jahrhundertwende des 19Jhdts. gebräuchlich waren. Denn reine Steckbajonette (das britische Land bzw. „new Land Pattern“, sowie die altpreußischen Dillenbajonette als Beispiele genannt) konnten aufgrund ihrer Konstruktion nicht dauerhaft auf den Waffen verbleiben und wurden oft erst in den letzten Momenten des Kampes aufgepflanzt, als kein Feuergefecht mehr möglich war und man den Nahkampf suchen musste.

Gleichfalls konnten diese einfachen Steckbajonette kaum beim Schuss auf den Waffen gelassen werden, da schon nach mehreren Salven oder gar bei einem Schuss das Bajonett vom Lauf fliegen konnte. Die Federhakenpflanzung, welche Mitte des 18.Jhdts auftauchte, war ein Versuch, reine Steckbajonette ohne Sperrring dauerhaft und stabil auf dem Lauf zu halten, um auch mit aufgepflanztem Bajonett agieren und vor allem auch schießen zu können. Dies war ein nicht einfaches Unterfangen, da ein Schießen in den dicht geschlossenen Linienformationen nicht ohne entsprechenden Drill möglich war. Die Verletzungsgefahr durch die aufgepflanzten Bajonette war dazu einfach zu groß.

Der bayerische Übergang auf den Sperrring im Jahre 1804 ist also im deutschen Raum durchaus als fortschrittlich zu werten.

Das Dillenbajonett M/1804 wurde bis mindestens 1806 ständig aufgepflanzt geführt, dann in einer ledernen Scheide im Säbelgehenk getragen. Die Befreiungskriegszeit dürfte allerdings ebenso wie in Preußen eine Verknappung der ledernen Scheiden nach sich gezogen haben, weshalb es sicher auch in dieser Zeit noch etliche Stücke gab, welche mangels einer Scheide immer aufgepflanzt geführt wurden.

Bayern bezog seine Dillenbajonette und die Ladestöcke der Gewehre bis in den April 1815 aus Suhl. Mit dem allerhöchsten Reskript vom 13.04.1815 wurde die Eigenschmiedung der Bajonette und Ladestöcke in Amberg beschlossen.

Auf den wenigen heute erhaltenen Realstücken in guter Erhaltung finden sich leider keine aussagekräftigen Stempelungen, mit deren Hilfe man die Bajonette den jeweiligen Fertigungsorten zuordnen könnte. Meist besitzen die Stücke auf dem terzseitigen Dillenarm eine Nummer, welche identisch mit dem zugehörigen Gewehr ist. Auch kommen vereinzelt Buchstabenstempel im Bereich der Klingenwurzel vor, diese jedoch können wie gesagt keinen Aufschluss über den Fertigungsort geben. Dies ist jedoch für Dillenbajonette dieser Zeit nicht ungewöhnlich.

Die Stücknummer ist bei den Dillenbajonetten dieser Zeit, egal aus welchem Land sie stammen, ein sehr wichtiger Stempel. Sie macht deutlich, zu welchem Gewehr das Bajonett gehört. Dies kann man durchaus wörtlich nehmen, denn zur damaligen Zeit wurde jedes Bajonett zu seinem Gewehr extra aufgepasst.

Denn die damaligen Fertigungstoleranzen erlaubten meist das Austauschen auch gleicher Stücke eines Modells nicht.

Das Aufpassen der Bajonette war, wie auch die Fertigung der Waffe an sich, reine Handarbeit und wurde mit größter Sorgfalt ausgeführt.

Dabei wurden die rohen Bajonette samt den Laufmündungen solange befeilt, bis die beiden Teile spielfrei zueinander passten.

Bei Dillenbajonetten mit Sperrring, welche anhand einer Bajonetthaft fixiert wurden, musste zudem die Bajonetthaft und der Gang entsprechend passgenau gefeilt werden. Waren die Anpassungsarbeiten abgeschlossen, wurde das Bajonett mit der Seriennummer des Gewehres gekennzeichnet. In der Regel passe ein Dillenbajonett dieser Zeit nur zu dem Gewehr für das es angepasst wurde.

Bayerische Dillenbajonette M/1804 waren immer weiß, also weder gebräunt noch brüniert, und haben eine relativ lange Dienstzeit in der bayerischen Armee erlebt. Sie wurden neben dem eigentlichen Gewehr M/1804, dessen Modifikationen sowie zu den Gewehrmustern von 1813, 1826 geführt, welche alle auf dem Modell 1804 basierten. Diese Waffen wurden durch die Bank in den 40er Jahren des 19.Jhdts perkussioniert. Die auf Perkussionszündung aptierten Gewehre wurden dann als Waffen zweiter Garnitur weiter verwendet bzw. aufgetragen.

Die für Frankreich tragisch endenden Befreiungskriege führten zu einer wahren Flut an französischen Waffen der geschlagenen Grandé Armee. Diese Waffen wurden in ganz Europa weiterverwendet, anschließend meist modifiziert und dienten in einigen Ländern als Bewaffnung ganzer Armeen. In Bayern griff man auf das französische Dillenbajonett M/1777 corrigé en l´an IX zurück und führte dieses Modell zu den nachfolgenden Gewehrmodellen. Ähnlich wurde z.B. auch in den Rheinbundstaaten oder der Schweiz verfahren.

Man baute also die Gewehre zu den bereits vorhandenen Bajonetten, um sich die Neufertigung zu sparen und vorhandenes Material weiterverwenden zu können.

Erst 1858 sollte mit dem Dillenbajonett zum Podewils Gewehr M/1858 ein neues, rein bayerisches Dillenbajonett entwickelt werden, welches wieder starke Ähnlichkeit zu dem österreichischen Lorenz Dillenbajonett M/1854 hat.


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