Das Preußisches Dillenbajonett M/1839 (Vorserienstück)


Geschichte


In den Jahren 1826 bis 1830 wurden in Preußen bereits Versuche mit Infanteriegewehren durchgeführt, welche das moderne Perkussionssystem besaßen. Die Versuche verliefen wie erwartet erfolgreich, so dass am 10.09.1839 durch A.K.O die Umänderung der vorhandenen Steinschlossgewehre auf Perkussionszündung befohlen wurde.

Dies war indirekt die Geburtsstunde des preußischen Gewehrs M/1839.

Denn zusätzlich zur Änderung der vorhandenen Gewehre M/1809-12 wurde die Neueinführung eines neuen Perkussions-Infanteriegewehres befohlen, welches ab 1840 hergestellt wurde. Die alten auf Perkussionszündung aptierten Gewehre M/1809-12 behielten ihr originales Bajonett.

Am 08.04.1853 verfügte das allgem. Kriegsdepartment schließlich die endgültigen Begrifflichkeiten für die beiden Waffen.

Demnach erhielt das aptierte Gewehr 1809-12 den Zusatz -u/M- für „umgeändertes Modell“, und die ab 1840 neu hergestellten Perkussionsgewehre bekamen die Bezeichnung „Infanteriegewehr M/1839“.

Durch die „Patentschwanzschraube“ des Infanteriegewehrs M/1839 welche mit dem Pistonstück einheitlich gefertigt war, wurde das Gewehr im „Volksmund“ auch als sog. „Patentgewehr“ bezeichnet.

Über die Waffe findet sich im Waffenarchiv ein ausführlicher Artikel, deshalb soll an dieser Stelle nicht genauer auf das Gewehr eingegangen werden.

Zum Bajonett:

Das vorgestellte Bajonett M/1839 ist ein sehr seltenes Stück der Vorserie des eigentlichen M/1839.

Bei diesem Stück fehlen jegliche militärischen Abnahmepunzen sowie Serien oder Fabrikationsnummern.

Diese Vorserienmodelle wurden allesamt bei Trenelle in Saarn an der Ruhr hergestellt. Der Herstellerstempel von Trenelle (T auf dem Bajonettarm) ist der einzige Stempel der auf dem Stück zu finden ist.

Von diesen Stücken hat sich heute nur eine Hand voll erhalten, da mit Sicherheit der Großteil nach der Einführung abgenommen und regulär ausgegeben wurde. Einige gingen jedoch an Mustersammlungen der Zeughäuser oder Hersteller und haben sich dort über die Zeit erhalten. Aus so einer Mustersammlung stammt auch das gezeigte Stück.

Bei Trenelle wurden schon frühere Seitengewehre für die preußische Armee, wie das M/1809 oder das Versuchsdillenbajonett M/1837 gefertigt. Nach der Annahme des M/1839 wurden auch reguläre Stücke von Trenelle in Serie hergestellt, die Masse wurde jedoch in den staatlichen preußischen Arsenalen gefertigt.

Die Vorserienstücke waren so genannte Musterstücke die vor der eigentlichen Serienfertigung hergestellt wurden. Wie weit vor der eigentlichen Serienfertigung, lässt sich heute nicht mehr klären.

Der Sinn und Zweck dieser Vorserienstücke konnte verschieden sein. Die Stücke könnten für Versuche gefertigt worden sein die vor der regulären Einführung statt gefunden haben.

Da es aber nachweislich in den Jahren vor 1839 „echte“ Versuchsbajonette von Trenelle gab, welche in Maß und Form vom späteren Dienststück M/1839 abwichen, ist es eher unwahrscheinlich das es sich bei diesem Stück um eine reine „Versuchswaffe“ handelt. Die Maße des hier gezeigten Stückes sind mit den späteren Dienststücken vollkommen gleich.

Vielmehr können diese Stücke als „Fabrikationsmuster“ an die jeweiligen Fabriken gegangen sein, welche die spätere Serienfertigung durchzuführen hatten. Einen „praktischen“ Einsatz hat das Stück mit Sicherheit nie erlebt, da es sich in einem originalen nahezu neuwertigen Zustand befindet. Dieser sehr gute Zustand lässt die Annahme ausschließen, dass vielleicht vorhandene Abnahmestempel in späterer Zeit ausgeschliffen wurden.

Der Zustand ist typisch für ein Stück welches nie irgendeinem militärischen Dienstgebrauch ausgesetzt war.

Das Bajonett M/39 war letztlich wieder wie das Vorgängermodell M/1809 und M/1809-12 für die Federpflanzung eingerichtet. Eine wirkliche Neuentwicklung stellte es somit nicht dar. Das M/1839 glich dem M/1809-12 fast vollständig. Wich nur in der Dillenlänge und der Hohlgeschliffenen Klinge vor Vorgänger ab. Die Dille des M/1809-12 ist ca. 10mm länger als beim M/1839.

Die Federpflanzung ging auf Initiative von Scharnhorst und Clausewitz zurück, die in den frühen Jahres des 19. Jahrhunderts ständig auf der Suche nach neuen waffentechnischen Verbesserungen waren. In diesem Zuge wurde das österreichische Dillenbajonett M/1799 als direktes Vorbild herangezogen.

Scharnhorst überzeugte schließlich den preußischen König, der am 6.12.1810 die Einführung der Federpflanzung nach österreichischem Muster befahl (A.K.O 6.Dez.1810). Diesem Pflanzsystem blieb man in Preußen, trotz offensichtlicher Nachteile gegenüber dem Sperrringsystem, bis zu den frühen Bajonetten M/1841 treu.

Das Patentgewehr M/1839 war das letzte Vorderladergewehr der preußischen Armee. Mit dem Nachfolger M/1841 wurde das zur damaligen Zeit, hochmoderne Zündnadelgewehr System Dreyse eingeführt, was seiner Zeit weit voraus war.


Geschichte Techn. Daten Bestempelung Literatur Zum Anfang