England - Pattern 1879 Artillerie Säbelbajonett


Geschichte


Ähnlich wie in anderen Staaten, wurde auch im Empire in der Mitte des 19. Jahrhunderts, dass Dillenbajonett allmählich von langen Säbel oder Schwertbajonetten abgelöst.

Meist waren diese Stücke vom Typ eines Yatagans, welcher zu dieser Zeit als sehr modern galt und in vielen Ländern eingeführt wurde.

Daneben wurden in Großbritannien jedoch auch ein anderer Weg beschritten, was spezielle Seitengewehre hervorbrachte, welche ausnahmslos speziellen Truppenteilen vorbehalten waren. Diese Stücke waren in der Tat wirkliche Säbelbajonette, was sich zum einen in ihrer Länge (meist 80 Zentimeter Gesamtlänge), zum anderen in den Gefäßen widerspiegelte. Diese waren bei den Stücken mit einem vollen Parierbügel ausgestattet, was dem Gefäß die Ähnlichkeit mit einem Säbelgefäß verleiht.

Die ersten dieser Säbelbajonette wurden in nennenswerten Stückzahlen für die Royal Navy gefertigt und glichen äußerlich den damals gebräuchlichen Entermessern. Die Soldaten führten also kein gesondertes Entermesser mehr, sondern hatten mit dem Seitengewehr eine „Allzweckwaffe“. Seitengewehre dieses Typs wurden in Großbritannien über einen Zeitraum von gut 30 Jahren in verschiedenen Modellen (Pattern) bei der Marine geführt.

Das hier vorgestellte Säbelbajonett Pattern 1879 bildete die Ausnahme dieser Regel, denn es war eine Waffe der Artillerie.

Eingeführt wurde das Säbelbajonett Pattern 1879 im Juli 1879 zum Artillerie Karabiner Mark I, System Martini-Henri. Dieser Karabiner mit dem bewährten Fallblockverschluss war eine sehr kurze Spezialwaffe der Artillerie und wurde in ähnlicher Form auch bei Festungstruppen und der Kavallerie geführt. Mit einer Gesamtlänge von 94,5 Zentimetern, war der Karabiner nur unwesentlich länger als das Säbelbajonett Pattern 1879, welches knappe 80 Zentimeter Länge maß.

Kennzeichen des Mark I Karabiners war die Mündungspartie, welche mit einer stählernen Hülse abgeschlossen wurde und den Lauf umschloss. Der tatsächliche Lauf stand aus dieser Hülse nur soweit heraus, dass der Mündungsring des Seitengewehrs übergreifen konnte. Der Lauf hatte beim Mark I Karabiner einen Aussendruchmesser von ca. 17,5 Millimeter. Die Seitengewehrschiene war am Oberring befestigt und stand rechts vom Lauf, was zur damaligen Zeit die übliche Stelle der Schiene war.

Das Säbelbajonett P. 1879 war, wie bereits erwähnt, an andere Säbelbajonette angelehnt, welche hauptsächlich bei der Royal Navy geführt wurden. Hauptsächlich unterscheidet sich das P.1879 durch die Klingenkonstruktion von den Marineseitengewehren.

Diese war, im Gegensatz zu den Marinestücken, weder eine gebogene Keilklinge noch als Yatagan ausgeführt. Für das Pattern 1879 wurde eine gerade Klinge mit je zwei Hohlkehlen und mit einem Sägerücken entworfen, die in dieser Form bisher noch keine Verwendung bei britischen Seitengewehren fand.

Das Pattern 1879 war also, neben aufpflanzbaren Seitengewehr und Kurzschwert, auch ein Wirtschaftswerkzeug, welches den Artilleristen beim Stellungs- und Geschützbettungsbau helfen sollte. Mit der Säge ließen sich die dazu nötigen Bäume absägen und bearbeiten. Gerne nutzten die britischen Artilleristen den Sägerücken auch als Kamm zum Auskämmen der Geschützbürsten.

Nichts desto trotz war dieses unverwechselbare Seitengewehr eine doch ziemlich unhandliche und sperrige Waffe, welche gerade die Arbeit an den Artilleriegeschützen oftmals mehr behinderte als es nützte.

Die sehr langen Lederscheiden waren ein zusätzlicher Schwachpunkt des Seitengewehres. Es wurde regulär in einer Seitengewehrtasche versorgt, an der linken Körperseite des Soldaten getragen. Es ist logisch, dass bei dieser Klingenlänge die Orte der Scheiden bis fast auf Knöchelhöhe der Träger hinunterreichten. Die Soldaten mussten sich also nur minimal Knien oder etwas Bücken und schon hatte die Scheide Bodenkontakt. Dies wurde zum Problem wenn das Seitengewehr aus der Scheide gezogen war, denn dann fehlte dieser die stabilisierende Klinge und sie knickte sofort ab. Unter anderem aus diesem Grund finden sich heute Pattern 1879 Säbelbajonette eher selten mit den originalen Scheiden.

Bei den Scheiden unterscheidet man die frühe Variante mit an der Spitze gerade abschließendem und die spätere mit rund abschließendem Ortblech.

Die Zugehörige Waffe, der Artilleriekarabiner Mark 1, wurde von 1878 bis 1889 in einer Stückzahl von 57.208 Exemplaren gefertigt. Parallel dazu fertigte man in der Royal Small Arms Factory in Enfield 65.143 und bei Wilkinson 2.000 Pattern 1879 Säbelbajonette. Gesamt wurden also 67.143 Stück dieses Seitengewehrmodells hergestellt.

Die Mehrproduktion von Seitengewehren gegenüber den zugehörigen Schusswaffen ist nicht ungewöhnlich. Ein Seitengewehr konnte unter Umständen schneller defekt werden als das Gewehr. Um in diesem Fall schnell Ersatz zu haben, fertigte man in der Regel mehr Seitengewehre als Schusswaffen eines Modells.

Die Karabiner und Seitengewehren hatten eine recht lange Dienstzeit in der Royal Artillery und wurden noch längere Zeit nach der Einführungswelle des .303 Lee-Enfied Gewehres geführt. Die Umbewaffnung der Infanterie hatte damals Vorrang, was auch in anderen Staaten so gehandhabt wurde. Dies erklärt auch die Weiterverwendung des Martini-Henry Karabiners bei der Artillerie.

Die Einführungswelle des .303 Kalibers brachte jedoch auch für die Artilleristen einen kleinen Vorteil, wenn es auch schon nicht die neuen modernen Waffen waren.

Die bei der Infanterie ersetzten Martini-Henry Gewehre wurden für die Verwendung bei der Artillerie aptiert, indem sie auf Karabinerlänge gekürzt wurden. Insgesamt handelte es sich um 38.407 Gewehre, welche in den Jahren 1893 bis 1896 in Artilleriekarabiner umgeändert wurden.

Die als Mark II bezeichneten Karabiner stellten einen Ersatz für bereits aufgetragene Mark I Karabiner dar, schlossen allerdings auch die ein oder andere Lücke und ergänzten somit die Bewaffnung britischer Artilleristen.

Ein großes Problem des Mark II Karabiners sollte sich allerdings bei der Verwendung des Pattern 1879 Säbelbajonetts ergeben, es ließ sich nämlich schlichtweg nicht aufpflanzen. Grund dafür war, dass der auf ca. 53 Zentimeter gekürzte ehemalige Gewehrlauf an der neuen Mündung einen Außendurchmesser von 18 Millimetern hatte. Dass für den Mark I eingerichtete Säbelbajonett 1879 war jedoch für einen Durchmesser von 17 Millimeter ausgelegt.

Sollte nun ein Säbelbajonett P. 1879 zusammen mit einem Mark II Karabiner verwendet werden, musste der Mündungsring auf 18 Millimeter geweitet werden. Geschah dies, stempelte mal eine römische 2 auf den Parierbügel, um die Zugehörigkeit zum Mark II Karabiner äußerlich kenntlich zu machen.

Sicherlich wurden in dieser Konsequenz viele Pattern 1879 auf Mark II aptiert, jedoch wahrscheinlich nicht so viele, wie Artilleriekarabiner Mark II gefertigt wurden. Es existieren parallel dazu einige andere Seitengewehrmodelle, welche gekürzt und mit auf 18 Millimeter geänderten Mündungsringen zur Verwendung mit dem Mark II Karabiner eingerichtet wurden.

Mit der Einführung des .303 Gewehres bei der Artillerie, wurden die Martini-Henry Karabiner mit ihren Seitengewehren an sekundäre Truppenteile oder Ausbildungseinheiten abgegeben. Die meisten Säbelbajonette P. 1879 tragen den so genannten „Sold out of Service“ Stempel, sie wurden also an Privatleute (Veteranen oder verschiedene Clubs) oder Waffenhändler abverkauft. So gelangten über Birmingham etliche Säbelbajonette P. 1879 über den Handel nach Irland. Dort wurden sie entweder von der pro britischen Ulster Volunteer Force oder der Irish Republican Army geführt. In Händen der IRA wurde das Säbelbajonett P. 1879 letztlich gegen seine alten Besitzer eingesetzt.

Bei der Verwendung in einer Ausbildungseinheit stufte man Karabiner und Bajonett zu „Drill Purpose“ Waffen herab. Aus dieser Verwendung stammen die bekannten Stücke, welchen in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts (ab 1903) die Sägerücken ausgeschliffen wurden.

Heute wird oft angenommen, dass dies in Großbritannien deshalb gemacht wurde weil man im Sägerücken ein Gräuelinstrument sah. Korrekt ist jedoch, dass der Sägerücken bei der Rekrutenausbildung nicht benötigt wurde, ja sogar unnötiges Verletzungspotential barg. Das Ausschleifen geschah also eher aus Sicherheitsaspekten, nicht aus der Ideologischen Einstellung zum Sägerücken selbst. Dies ist insofern wichtig, da man knapp 14 Jahre nach diesen Arbeiten dem deutschen Feldheer völkerrechtswidriges Verhalten vorwarf, weil im deutschen Heer Sägeseitengewehre geführt wurden.



Geschichte Techn. Daten Bestempelung Literatur Zum Anfang