Britisches Säbelbajonett Pattern 1855


Geschichte


Mit dem Übergang vom Dillenbajonett zum Säbel- oder Schwertbajonett entstanden in Großbritannien einige sehr interessante Seitengewehrentwicklungen, welche sich doch entscheidend von den damals üblichen Seitengewehren anderer Länder abhoben. Dieser Artikel soll eines dieser britischen Seitengewehre beschreiben, welches einen Meilenstein in der englischen Seitengewehrentwicklung darstellt.

Die ab Mitte des 19. Jhdt. eingeführten Säbelseitengewehre des britischen Königreiches waren vor allem so genannte Yatagane. Die Klingen waren also S- förmig gebogen, sowie sehr wuchtig und schwer ausgeschmiedet. Der Yatagan sollte seit dem französischen Seitengewehr M/1840 ein weit verbreitetes Seitengewehrmodell werden, das französische Modell 1840 war so zu sagen ein Trendsetter.

Für spezielle Truppenteile ging man im Empire jedoch einen anderen Weg, welcher uns direkt zu den beiden vorgestellten Stücken führt. Abweichend zu den langen Yataganen wurde für die britischen Sappers & Miners 1855 ein eigenständiges Seitengewehr mit völlig neuer Klinge eingeführt.

Die britischen Sappers & Miners waren Pioniertruppen, deren Namen sich vom Sappeur und Mineur ableitet. Zu den Aufgaben des Sappeures gehörte das Anlegen von Laufgraben und Schanzen, um die eigenen Truppen vor feindlichem Feuer zu Schützen. Mineure hatten unterirdische Tunnel (Mienen) anzulegen, um feindliche Festungsanlagen zu untergraben und im Idealfall durch darunter angelegte Sprengkammern zu zerstören.

1857 wurden die britischen Sappers and Miners dann in Royal Engineers umbenannt, diese Bezeichnung wurde bis heute beibehalten.

1855 gelangte eine sehr fortschrittliche Waffe in die Dienste der britischen Sappers & Miners. Es handelte sich um das von Charles William Lancaster erfundene Perkussionsgewehr Pattern 1855 mit im Querschnitt ovalem Lauf. Der ovale Lauf ohne Züge war seiner Zeit weit voraus und vergleichbar mit modernen Polygonläufen. Die Eigenschaften der modernen zuglosen Polygonläufe sind voll auf das Perkussionsgewehr von 1855 übertragbar, jedoch unter dem Aspekt der zu dieser Zeit verwendeten Bleigeschosse und Schwarzpulverladungen.

Bei den gezogenen Gewehren der damaligen Zeit legten sich bei größeren Schussfolgen zunehmend Rückstände in den Zügen ab. Dies wirkte sich negativ auf die Präzision der Waffen aus, die mit zunehmender Schussbelastung immer mehr verdreckten und dadurch ungenauer wurden. Auch gestaltete sich das Laden der Expansionsgeschosse zunehmend schwieriger, je stärker der Lauf verdreckte.

Dies umging Lancaster indem er dem Lauf einen ovalen Querschnitt gab, das Geschoss dadurch seinen Drall unverändert bekam und somit gezogenen Gewehren in diesem Punkt in nichts nachstand. Damalige Schießversuche bestätigten, dass das Gewehr Pattern 1855 präziser war als die Gewehre Pattern 1856 oder 1858 und gerade bei größerer Schussbelastung eindeutig präziser blieb.

Zu dieser innovativen Waffe sollte ein neues Seitengewehr konstruiert werden, welches ein unverwechselbares Aussehen hatte und somit ein für jedermann sichtbares Kennzeichen der Sappers & Miners war.

Das Pattern 1855 Säbelbajonett ist insofern besonders, da es eine sehr schwere Steckenrückenklinge mit markantem Schör besitzt. Diese Klingenform war bis dato weder in Großbritannien noch in anderen Ländern eingeführt gewesen.

Diese Seitengewehre wurden von 1855 bis circa 1858 direkt bei Lancaster gefertigt. Ab 1858 fertigten dann die bekannten britischen Klingenschmieden in Birmingham und London diese Stücke. Ein kleiner Teil wurde zudem auch aus Solingen importiert. Das gezeigte Stück ist beispielsweise bei Weyersberg in Solingen gefertigt worden. Insgesamt wurden für den britischen Bedarf rund 15.200 Stücke dieses Modells gefertigt.

Die Fertigung dieses Modells lief letztlich um 1863 aus. Im Vergleich zu anderen britischen Seitengewehren, ist das Säbelbajonett Pattern 1855 also durchaus als selten zu betrachten. Immerhin wurden nur rund 15.200 rein britische Dienststücke produziert.

Interessanterweise dürfte die Fertigung des britischen Säbelbajonetts Patterns 1855 in Solingen einen gewissen Einfluss auf die Gestaltung des ab 1860 für Preußen hergestellten Füsilierseitengewehres gehabt haben. Die Klinge des preußischen Stückes gleicht bis auf die Länge haargenau der des britischen Säbelbajonetts.

Der Werdegang des Pattern 1855 Säbelbajonetts bei den britischen Streitkräften ist ein recht langer. Dies war typisch für britisches Armeegerät, denn ähnlich wie in Preußen, wurde auch in England nichts ausgemustert oder verschrottet, was noch irgendwie gebraucht werden konnte.



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