Seitengewehr 42

(erste Variante)


Geschichte


Text: Sebastian Thiem

Dieser Artikel soll eine Ergänzung zu der von mir verfassten, ersten Arbeit über das Seitengewehr 42 darstellen, welcher im Rahmen des Waffensammlerkuratoriums veröffentlicht wurde (http://www.waffensammler-kuratorium.de/Sg42/Sg42ti.html).

Die Seltenheit der Seitengewehre in Verbindung mit den deutlichen, konstruktiven Unterschieden beider Ausführungen rechtfertigt eine weitere, tiefer ins Detail gehende Ausarbeitung.

Das im bereits veröffentlichten Artikel vorgestellte Seitengewehr 42 ist vom zweiten Typ, welcher den konstruktiven Abschluss des Seitengewehrs 42 darstellt. Eine Vielzahl der Seitengewehre 42 ist nach dieser Ausführung gefertigt.

Die des Weiteren angesprochene dritte, stark vereinfachte Variante ist für diese Betrachtung zu vernachlässigen, denn es handelt sich um keine eigenständige Ausführung mit konstruktiven Unterschieden oder Verbesserungen. Vielmehr sind diese Stücke Kinder der späten Kriegsfertigung, bei denen man lediglich alle Möglichkeiten zur Einsparung angewandt hat.

Diese vereinfachten Stücke wären bei einer Serienfertigung nach dem Krieg so nicht weiter produziert worden, da sie durch den fehlenden Werkzeugeinsatz dem eigentlichen Sinn des Seitengewehrs 42 widersprechen.

Auch die recht späten Stücke der zweiten Ausführung, welche kriegsbedingt sehr „entfeinert“ wurden, sind als keine eigenständigen Varianten anzusehen. Genau, wie die Seitengewehre 84/98 der späten Kriegsfertigung, weisen diese Stücke teils starke Bearbeitungsspuren auf. Auch die Brünierung wurde in dieser Zeit mehr und mehr durch die Phospatierung ersetzt.

Die erste Ausführung des Seitengewehrs 42 muss man also als Grundmodell ansehen, von dem erste nennenswerte, jedoch sehr geringe Stückzahlen gefertigt wurden. Wie bei jeder Vorserie sind diese noch nicht „serienreifen“ Stücke meist noch nicht perfekt. Sie bedürfen also in der Regel nochmaliger, konstruktiver Überarbeitung, welche kleine Fehler oder Schwachpunkte behebt. Diese verbesserungswürdigen Punkte erkennt man bei Militärwaffen am Besten durch Truppenversuche mit anschließender Befragung und Auswertung der Ergebnisse.

Doch auch bereits bei der Anfertigung der Vorserienmodelle aufgefallene negative Punkte dürften direkt korrigiert und so schnell wie möglich in die weitere Fertigung einfließen. Nicht anders wird auch heute noch vorgegangen, nachdem neue Entwürfe vom Reisbrett in Fertigung gehen, denn die zeichnerische Konstruktion deckt sich nicht immer mit den Möglichkeiten in der Fertigung.

Beim Seitengewehr 42 ist kurz nach der eingesetzten „Serienfertigung“ zudem der spezielle Umstand der „Kriegsproduktion“ hinzugekommen. Die Waffe musste also bei voller Funktionalität und Einsatztauglichkeit möglichst einfach, zeit- und kosteneffizient gefertigt werden. Aufgrund der geringen Stückzahl von hergestellten Seitengewehren 42 kann man allerdings nicht von einer Serienfertigung im klassischen Sinn sprechen.

Diese effizientere Fertigung auf der einen, sowie die konstruktiven Verbesserungen auf der anderen Seite, führten zu den hier vorgestellten Unterschieden der Seitengewehre 42, denn die zweite Ausführung wurde in gewissen Punkten überarbeitet bzw. für die Produktion vereinfacht.

Da heute kaum noch Unterlagen erhalten sind, welche die einzelnen Konstruktionsfortschritte dokumentieren, bleibt nur der Vergleich der wenigen Realstücke.

Da, wie bereits angesprochen, die meisten noch vorhandenen, originalen Stücke nach dem zweiten Typ gefertigt sind, lassen sich kaum Vergleiche mit Modellen anstellen, welche konstruktive Unterschiede aufweisen.

Jede Möglichkeit der Dokumentation, sowie der Vergleich von Realstücken muss deshalb intensiv genutzt und wahrgenommen werden. Da naturgemäß über seltene Stücke viel geschrieben wird, den Autoren aber in den wenigsten Fällen die entsprechenden Realstücke zur Prüfung vorlangen, ist der Wert dieser Publikationen für den Sammler entsprechend gering.

Diese Arbeit geht einen anderen Weg, denn sie basiert auf der Studie der gezeigten originalen Stücke welche sich in der Sammlung des Verfassers befinden.

© Sebastian Thiem, April 2011



Die beiden Varianten im Detailbild. Links die erste Varianten mit vertikal arbeitendem Drücker welcher in die Auswölbung versenkt wird, daneben die zweite Variante mit wippenartigem Drücker. Der interessierte Leser wird beide Stücke aus dem Bericht in der DWJ 8/2002 wieder erkennen.

© Sebastian Thiem, Mai 2011


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