Das Schweizer Säbelbajonett Ordonnanz 1878


Geschichte


Dieses Seitengewehr, genehmigt mit dem Bundesratsbeschluss vom 30. April 1878, löste endgültig das Dillenbajonett in der Schweizer Armee ab.

Das Vetterli Gewehr von 1878 war eine konstruktive Verbesserung des seit Januar 1869 in der Schweiz eingeführten Vetterli Repetiergewehrs, welches - für die Zeit typisch - mit einem Dillenbajonett versehen war.

Das Säbelbajonett 1878 orientiert sich stark an englischen oder deutschen Seitengewehren, besitzt also vernietete Griffschalen, welche mit einer rautenförmigen „Fischhaut“ versehen sind. Der Drückermechanismus wird durch eine lange, außen liegende Feder und einen im Griffkopf beweglich untergebrachten Drückerbolzen gebildet. Auch das gerade Parierstück ist deutlich an englische Modelle angelehnt.

Markant ist die „Gabel“ am Mündungsring, welche im aufgepflanzten Zustand den Kornsockel umschloss. Dies sollte eine nochmalige Steigerung der Stabilität erzielen. Die Pflanzung entspricht derjenigen des deutschen Gewehrs M/1871. Die Bajonettwarze mit Querschnitt in T-Form befindet sich am Oberring des Gewehrs. Im aufgepflanzten Zustand griff der Kasten in diese Warze und der Mündungsring war zugleich über den Gewehrlauf geschoben. Es handelte sich also um eine solide Zweipunkt Pflanzung. Aufgepflanzt saß das Bajonett rechts vom Lauf (wenn man das Gewehr im Anschlag betrachtet).

Die frühen Seitengewehre dieses Modells wurden noch in Solingen bezogen und von der Firma „Gebr. Weyersberg“ gefertigt. In der frühen Zeit des Säbelbajonetts war die Schweizer Industrie noch nicht in der Lage, diesen Typ Seitengewehr in Massenfertigung zu Produzieren. Zum einen fehlte es an der nötigen Erfahrung, zum anderen an den Produktionsmaschinen. Erst mit dem Ankauf von Spezialmaschinen durch Friedrich Vetterli wurde der Grundstein für eine Massenfertigung von Seitengewehren in der Schweiz geschaffen.

Diese Maschinen gingen zum Großteil an die Schweizerische Industriegesellschaft in Neuhausen, welche von nun an eine federführende Rolle in der eidgenössischen Seitengewehrproduktion einnehmen sollte.

Das Säbelseitengewehr 1878 vereinte nicht nur Merkmale ausländischer Seitengewehre in sich, sondern beinhaltete einige konstruktive Eigenheiten. So zum Beispiel die Griffschalen aus vulkanisiertem Kautschuk. Vergleichbare Seitengewehre dieser Zeit besitzen meist Schalen aus gepresstem Leder. Leder ist natürlich stärker anfällig für witterungsbedingte Einflüsse und greift sich mit der Zeit merklich ab.

Die Schalen aus vulkanisiertem Kautschuk waren gegen diese Einflüsse resistent, was dazu führte, dass die Schalen bis heute noch tadellos erhalten sind. Witterungsbeständiges Griffmaterial war in der Schweiz aufgrund der geografischen Gegebenheiten natürlich besonders wünschenswert, da die Seitengewehre von Talregionen bis in hochalpine Gefilde im Einsatz waren.

Die Klinge des Seitengewehrs ist eine weitere Besonderheit, denn sie ist eine Mischung aus keil- und hohlgeschliffener Klinge. Auf der Quartseite der Klinge findet sich keine Hohlkehle, sie gleicht hier also einer einfachen Keilklinge. Terzseitig ist eine lange Hohlkehle eingeschliffen. Diese Mischung zweier Klingentypen sollte bei allen weiteren Schweizer Säbelbajonetten Anwendung finden.

Des Weiteren besitzen alle Seitengewehre 1878 ohne Ausnahme Sägerücken, welche herstellerbedingt 24, 25 oder 26 Doppelsägezähne aufweisen können. In der Regel wurden in dieser Zeit Seitengewehre mit Sägerücken nur für spezielle Truppenteile, wie Pioniere gefertigt, alle anderen Truppenteile führten Seitengewehre ohne Säge. Da das Säbelseitengewehr 1878 nur mit Sägerücken gefertigt wurde, führen alle Truppenteile der Schweizer Armee ein Sägeseitengewehr.

Geführt wurden die Seitengewehre 1878 in Lederscheiden mit Stahlbeschlägen. Mund- und Ortbleche wurden bis 1881 mit Klammern befestigt, danach wurden sie genietet. Auf beiden Seiten der Scheide finden sich sehr tief eingeprägte Zierrillen (Sicken genannt) auf ganzer Länge des geschwärzten Lederkorpus.



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