Das Schweizer Säbelseitengewehr Ordonnanz 1887


Geschichte


Das Säbelbajonett nach Ordonnanz von 1887 gleicht dem Vorgängermodell 1878 sehr. Es wurden eigentlich nur einige Änderungen am Säbelbajonett 1878 umgesetzt, was zur neuen Ordonnanz 1887 führte.

Das Säbelbajonett 1887 besitzt nur noch drei Griffnieten statt der Vier des Säbelbajonetts 1878.

Außerdem wurde der Angel ein Widerlager für die Pariertange hinzugefügt. Dieses Widerlager erkennt man beim Blick auf den Griffrücken am Übergang von Angel zur Parierstange, da an diesen Stellen die Griffschalen entsprechend ausgespart sind. Der Angel wurde auf beiden Seiten eiserne Backen angenietet, an denen die Parierstange in voller Breite anliegt. Dieses Widerlager fand in gleicher Form bei allen späteren eidgenössischen Seitengewehren Anwendung.

Griffmaterial, Scheide, Klinge, Parierstange und Griffkopf des Säbelbajonetts 1887 sind mit dem Vorgängermodell identisch. Auch die Fertigungsqualität der Seitengewehre 1887 ist, wie auch beim Säbelbajonett 1878, auf höchstem Niveau. Die Stücke sind in erstklassiger Qualität gefertigt, besitzen sehr saubere Passungen und feinste Oberflächenpolituren. Die Klingen kommen - ebenfalls wieder herstellerbedingt - mit 24, 25 oder 26 Doppelsägezähnen vor.

Auf Schweizer Seitengewehren ab 1878 findet man in der Regel vier verschiedene Stempel.

Die terzseitige Fehlschärfe trägt den Herstellerstempel des Stückes. Dies können entweder Schweizer oder auch Solinger Firmen sein. Bei Säbelbajonetten der Ordonnanz 1878 und 1887 findet sich oftmals unterhalb des Herstellerstempels oder auf der quartseitigen Fehlschärfe eine zweistellige Zahl, beispielsweise „79“ oder „82“. Diese Zahl beschreibt das Ausgabejahr des Seitengewehrs.

Auf den Parierstangen und den Scheidenendknöpfen findet man die Abnahmestempel. Bei frühen Stücken meist ein Buchstabe unter Kreuz im Oval, bei späteren Stücken das Schweizer Kreuz, welches bei Säbelbajonetten 1914 auch auf der terzseitigen Fehlschärfe geschlagen sein kann.

Mittig auf der terzseitigen Parierstange findet sich in der Regel ein Nummernstempel, welcher oft falsch interpretiert wird. Diese Nummern sind häufig im hohen fünf- oder sechsstelligen Bereich angesiedelt. Immer wieder wird irrtümlich angenommen, dass dies die tatsächliche Seriennummer des Seitengewehrs ist. Würde dies stimmen, hätte die Schweiz horrende Zahlen an Gewehren und Seitengewehren gefertigt.

Diese Nummern wurden tatsächlich erst dann gestempelt, wenn Seitengewehr und Bajonett im Zeughaus zusammengestellt und ausgegeben wurden. Geschah dies, wurde auf der Parierstange die Waffennummer des zugehörigen Gewehres gestempelt. Sollte das Ausgabejahr auch vermerkt werden, geschah dies ebenfalls bei der Ausgabe im Zeughaus. Von Werk an erhielten die Seitengewehre also keine Nummern auf den Parierstangen und wurden auch nicht gleich mit einem Gewehr oder Karabiner versorgt ausgeliefert. Das Zusammenstellen passierte also, teils etliche Jahre nach der Fertigung, im Zeughaus.

Die Nummer auf der Parierstange beschreibt also immer die Waffennummer des zugehörigen Gewehres und ist deshalb keine Seriennummer, welche sich auf die Quantität bezieht. Deshalb kann es vorkommen, dass eigentlich frühe Stücke höhere Nummern aufweisen als später hergestellte Stücke. Beispielsweise ein Säbelbajonett 1878 mit sechsstelliger Nummer im Vergleich zu einem Säbelbajonett 1887 mit nur fünfstelliger Nummer. Bei Säbelbajonetten 1878 und 1887 kann diese Nummer auch auf die Fehlschärfen gestempelt, vorkommen.

Diese Gegebenheit ist bei allen neuzeitlichen Schweizer Seitengewehren gleich, deshalb lässt sich anhand der Nummer auf der Parierstange keine zeitliche Eingrenzung vornehmen, welche sich auf den Herstellungszeitpunkt des Bajonetts bezieht und sich auch keine Fertigungsmengen abschätzen.

Die Seriennummernkreise der zugehörigen Gewehre / Karabiner wurden von den Herstellerfirmen je nach Modell zugeordnet und begannen nie bei „1“. Deshalb lassen diese doch hohen Nummern keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Fertigungsmenge zu.

Ein gutes Beispiel, um dies zu verdeutlichen, ist das Gewehr Ordonnanz 1911. Von dieser Waffe wurden rund 133.000 Stück gefertigt. Die Nummerierung des Gewehrs 1911 begann mit dem Nummernkreis 355.001 – 361.000 und endete mit dem Nummernkreis 479.001 – 482.000. Es ist also klar ersichtlich, dass die tatsächliche Fertigungszahl nichts mit den aufgebrachten Seriennummern zu tun hat.



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