Seitengewehr 42

(Sonderseitengewehr zum Karabiner 98k)


Geschichte


Text: Sebastian Thiem

Zur Bewaffnung der neuen Wehrmacht wurde das schon aus dem 1 Wk. bekannte und noch in der Reichswehr geführte 84/98 n.A übernommen. Durch kleine Änderungen va. an der Klingenform sowie dem Feuerschutzblech, wurde es schließlich als 84/98 III (3. Modell) eingeführt. Jedoch merkte man schnell dass das Seitengewehr in dieser Form überholt war und einen geringen Nutzen in der Truppe hatte, dies zeigte sich vor allem im Westfeldzug. Anders stellte sich die Situation an der Ostfront dar. Vor allem in den riesigen Wald und Sumpfgebieten bei Pripjet und Wolchow ist es 1941 / 42 zu schweren Nahkämpfen gekommen in denen das Seitengewehr eine unverzichtbare Waffe wurde. Das 84/98III war als Kampfwaffe zwar zu gebrauchen, den Landsern fehlte es jedoch gleichzeitig sehr an Gebrauchs und Wirtschaftsmessern und nicht zuletzt an einem reinen Kampfmesser. Aus diesem Grunde wurden teils viele Dolche / Messer und auch HJ Fahrtenmesser privat mit an die Front genommen. Aus diesem Grunde erteilte das Heereswaffenamt den Gustloff Werken in Suhl den Auftrag, ein Kampf / Wirtschaftsmesser zu entwickeln welches auch als Bajonett aufgepflanzt werden konnte.

Bei der Entwicklung war der Ingenieur Barnitzke federführend. Unter dessen Leitung wurden einige Versuchstücke entwickelt die dem Heereswaffenamt vorgestellt wurden. Aus dieser Reihe der Versuchstücke stammt das „Seitengewehr 42“ welches vom Heereswaffenamt als den Vorgaben am genauesten entsprechende, angesehen wurde.

Das Seitengewehr 42 gibt es in einigen verschiedenen Ausführungen.

Hier die wichtigsten:

Typ 1: Erstes Modell in noch guter Qualität mit Werkzeugeinsatz ohne Wippsperre

Typ 2: Modell mit verbesserter Sperre des Werkzeugeinsatzes (mit Wippe zur Sicherung). Das Modell ist auf Kriegsproduktion abgestimmt.

Typ 3: Rohes Modell aus letzter Produktion. Diesen Modellen wurde aus Ersparnis kein Werkzeugeinsatz eingesetzt sondern der hohle Griff mit Holz verschlossen.

Die Modelle differieren zudem noch in der Länge und dem Drückermechanismus. Auch sind Stücke mit Schalen aus Blech (im Blechprägeverfahren hergestellt) bekannt. Nach Beendigung der Versuche mit den Vorserienmodellen, wurde der Fa. Carl Eickhorn in Solingen ein Fertigungsauftrag von 500 Exemplaren, für einen großen Truppenversuch an der Ostfront erteilt.

Der Truppenversuch wurde am 18.10. 1943 befohlen und in diesem Zuge die 500 Stück auf folgende Verbände aufgeteilt:

17. Infanteriedivision

2. Gebirgsdivision

78. Sturmdivision

28. Jägerdivision

Diese Verbände haben je 100 SG 42 für den Truppenversuch erhalten und mussten in diesem Zuge ausführliche Berichte anfertigen.Diese Berichte vielen durchwegs bestens aus. Die Truppe nahm das SG 42 gerne an und hatte ihm einen "hohen Gebrauchswert" bescheinigt. Nach diesem Versuch (und wahrscheinlich auch vorher) ließ sich Hitler das SG 42 vorführen und genehmigte die Einführung der Waffe. JEDOCH mit dem Zusatz die Serienfertigung erst nach dem Endsieg aufzunehmen, da 1943 kriegsbedingt eine Umstellung der Produktion nicht möglich war.

Das SG 42 wäre nach dem Krieg ein Teil einer völlig neuen Infanteriebewaffnung geworden. Zusammen mit verbesserter Ausrüstung, Tragegestellen und Waffen war das damalige Konzept seiner Zeit um gut 30 Jahre voraus.

Wie gesagt wurde die Einführung auf nach dem Krieg verschoben. Jedoch bekam Eickhorn noch einen Auftrag über 1100 Stück. Diese wurden gefertigt und standen (zusammen mit den 500 Vorserienstücken) speziellen Einheiten wie den Brandenburgern, Fallschirmjägern oder SS-Jagdverbänden zur Verfügung. Dabei wurde das SG 42 den Einheiten IMMER nur temporär ausgegeben. Diese mussten die Stücke nach Beendigung der jew. Einsätze immer wieder abgeben.

Weiterhin wurden Eickhorn durch das Heereswaffenamt in 1944 ein weiterer Auftrag über 10.000 Stück zugeteilt. Die Fertigung wurde mit ziemlicher Sicherheit aufgenommen, jedoch wie viele fertig gestellt wurden, ist heute nicht mehr klar. Aus dieser Fertigungsreihe haben die Amerikaner noch viele Einzelteile und Halbfertigstücke bei der Firmenbesetzung vorgefunden.

Auch ist aktenkundig das eine zum Versand bereite Lieferung an SG 42 in Folge eines Bombenangriffes auf Solingen, zerstört wurden. Dies ist deshalb bekannt, da dieser Schaden an das Heereswaffenamt gemeldet werden musste. Die Stücke waren ja bereits abgenommen und bezahlt, die wollten dann natürlich wissen wieso die Stücke nicht ausgeliefert wurden. Sicher kann man also diese Zahlen sagen: 500 Stück der Vorserie, 1100 Stück aus der ersten Bestellung (aus dem meines Stammt) und xxx aus dem 1944 Auftrag.

Zu den Truppenversuch der 500 gibt es noch was zu sagen:

Sieht man sich die Truppen genauer an, stellt man fest das die Versuche an der kompletten Ostfront sowie in Norwegen durchgeführt wurde. Man hatte also alles an klimatischen Extremen und Frontschwerpunkten. Dies war gewollt um das SG 42 unter allen Gegebenheiten testen zu können.

Im Einzelnen waren die Stücke hier:

2. Gebirgsdiv. war zum Versuchszeitpunkt in Lappland und gehörte zur 20. Gebirgsarmee

17. Infanteriediv. war zum Versuchszeitpunkt in Dnjepr - Nikopol und gehörte zur Heeresgruppe Süd

78. Sturmdiv. war zum Vers. Zeitpunkt im Raum Orschau und der Heeresgruppe Mitte unterstellt

28. Jägerdiv. war zum Vers. Zeitpunkt im Raum Leningrad und der Heeresgruppe Nord unterstellt.

Es waren also alle 3 Heeresgruppen der Ostfront und eine Gebirgstruppe in den Versuchen involviert. Die Ergebnisse waren deshalb auch ganzheitlich und sehr aussagekräftig. Ein unter allen Gegebenheiten erprobtes Seitengewehr so zu sagen.

Abschließend, das SG 42 ist an damals moderne Fertigungsverfahren angepasst. Sprich einfache wirtschaftliche Fertigung durch Blechprägeteile / Formgepresste Phenolharzteile (Scheide, Griffschalen)



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