Die jagdliche Blankwaffe:

Der Hirschfänger

Text : B. Frey - Fotos : H. Hedtrich

In der Barockzeit (17. und 18. Jahrhundert) gelangte die Parforce-Jagd an den europäischen Höfen zu großer Bedeutung. Die berittenen Adeligen konnten sich mit Hundemeuten und Jägern zu Fuß unter den Klängen der Jagdhörner beim Hetzen von Hirsch und Wildschwein so richtig prunkvoll in Szene setzen. Wenn das Wild von den Hunden nach langer Hatz gestellt war, gab ein abgesessener Jäger dem Tier mit dem Hirschfänger den Todesstoß. Später wurde der Hirschfänger oft zu einem reinen Statussymbol und erhielt dazu eine der jeweiligen Stilepoche entsprechende oft recht prunkvolle Form. Bei Gebrauchshirschfängern ist der Griff häufig aus einem Stück Hirschgeweih hergestellt, bei den übrigen aus Horn, Bein oder sogar Porzellan. Die durch den Griff laufenden Angel wurde an ihrem Ende mit der Abschlußkappe vernietet. Die Querstange verhindert das Abgleiten der Hand beim Stoß. Im Oberteil der Scheide befindet sich zum Teil ein Beimesser. damit da zum Zerwirken gedachte Messer nicht verloren gehen kann, Überdeckt es eine am Griff befindliche Muschel. Diese findet sich aber auch unabhängig davon als typisches Zierelement an vielen Hirschfängern.

Leichter Hirschfänger um 1720. Beidseitig hohlgeschliffene Rückenklinge mit Messingeinlagen, 44 cm lang. Parierstange aus Messing mit Fratze und Löwenkopfenden, links zur Aufnahme einer Kette durchbohrt. Spiratgenuteter Horngriff mit Drahteinlage, oben mit Bohrung für die Kette. Die Gesamtlänge beträgt 57 cm.

Der leichte Rokokohirschfänger um 1750 besitzt ein Gefäß aus Messingguß bestehend aus einem Griff in Form eines Hirschlaufs, einer Parierstange mit Hirschlaufenden und einem zierlichen, leicht abgebogenen Stichblatt. Die Klinge setzt sich in einer Angel fort, die oben an Knaufende vernietet ist. Sie ist 49 cm lang und hat einen beidseitig nach außen gewölbten Querschnitt. Am Stichblatt ist sie knapp 3 cm breit. Die Gesamtlänge beträgt 62 cm.

Großer Verzierter Hirschfänger um 1800. Einschneidige Rückenklinge mit beidseitigem Hohlschliff, 53 cm lang. Verziertes Messinggefäß mit kleiner Muschel, Hirschhorngriff und Kette. Messinggefaßte Lederscheide mit Beimesser. Gesamtlänge 68 cm.

Der Biedermeier-Hirschfänger um 1820 hat einen messingmontierten Hirschorngriff, eine gerade Parierstange und ein ausgeprägtes, muschelförmiges Stichblatt. Das Vernietknäufchen oben am Griff ist gerillt. Die Klinge ist rückseitig eben, vorderseitig eingewölbt, mit der Signatur "G. H. Kohl Waffenfabrik in Stuttgart" versehen, 3,5 cm breit und 42 cm lang. Die Gesamtlänge beträgt 60,5 cm, die messingmontierte Scheide ist aus dunklem Leder.


Literatur :

Seifert, Gerhard, "Der Hirschfänger", Schwäbisch Hall, 1973

Stiegler, Martin, "Europäische Hirschfänger", Berching, 1994