Preußischer Zündnadelkarabiner M/57


Geschichte


Die Kavallerie in Preußens wurde erst relativ späht mit einer Zündnadelwaffe ausgerüstet. Erst im Mai 1855 erhielten die Husaren- und Dragoner-Regimenter probeweise je 24 Zündnadelkarabiner. Dieser Karabiner M/55 genannt, entsprach schon dem späteren Modell 57. Der einzige Unterschied bestand in der Herstellungsmethode des Laufes. Während der Lauf des Karabiners M/57 aus Stahl gefertigt wurde, war der Lauf des Karabiners M/55 noch aus Eisen. Friedrich Wilhelm III.

Mit AKO vom 9. April 1857 wurde dann der Zündnadelkarabiner M/57 offiziell bei der Preußischen Kavallerie eingeführt. Die ab diesem Jahr hergestellten Stücke trugen zur Unterscheidung zum Karabiner M/55 auf dem Lauf den Stempel "Stahl" vor dem Hülsenkopf und auf der Hülse außer dem die Bezeichnung "Mod. 57" statt Mod. 55.

Der Karabiner hatte das gleiche Laufkaliber und Züge wie die übrigen Zündnadelgewehre und Büchsen. Nur die Pulverladung wurde wegen des kurzen Laufes (36 cm) und um den Rückstoß zu vermindern auf 3,9g ( statt 4,9 g ) reduziert. Der Verschluss wurde durch die kürzere Anordnung des Nadelbolzens und des teilweisen Wegfalls der Luftkammer durch Anwendung einer Kompressionskammer beträchtlich verkürzt. Das Kammermundstück griff beim Schließen nicht über das Laufmundstück, sondern drang in dasselbe ein. Die Verschußhülse des Karabiners ist nur 13,4 cm lang, das Kammerstück 11,4 cm. In die winzige Luftkammer wurde zur Abdichtung eine Scheibe aus Leder eingelegt. Der Schaft reicht bis zur Mündung, wo er durch einen massiven Ring aus Eisen, der Korn und Kornbacken trägt, mit dem Lauf verbunden ist. Das Visier mit einer Klappe ist für 200 und 300 Schritt eingerichtet. Der Abzugsbügel und die Kolbenkappe sind aus Messing. Der Zündnadelkarabiner hat keine Reitstange mehr. Zum Einhängen des Karabinerhakens dienen zwei ineinandergreifende Ringe unter dem Kolbenhals. Durch eine Einkerbung in der Sperrfeder (siehe Bild unten) unterscheidet sich der Karabiner von den anderen Zündnadelwaffen; hierdurch sollte ein unbeabsichtigtes Spannen des Schlößchens verhindert werden.

In dem Leitfaden zum Unterricht in der Kenntnis, Behandlung und dem Gebrauche des Zündnadel-Karabiners M/57 ( Berlin, 1859) heißt es hierzu: "Um den Karabiner zu spannen, ist zunächst ein Druck auf den Sperrgriff erforderlich, um die Einfeilung der Sperrfeder aus der Kammerrast treten zu lassen. Erst dann wird das Schlößchen so weit vorgeschoben, bis die hintere Sperrfedernase in die Kammer hörbar einsetzt."

Der Karabiner wurde zuerst ausschließlich bei Dreyse in Sömmerda gefertigt. Als nach dem Krieg 1866 die im Harz gelegene Gewehrfabrik Herzberg den preußischen Militärbehörden unterstellt wurde und ein Gewehrrevisionskommando eingerichtet wurde, produzierte man nun auch hier von 1869 bis 1871 den Karabiner M/57 für Preußen.

Es wurden verhältnismäßig große Mengen gefertigt; beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 befanden sich 27456 Karabiner M/57 bei der Truppe und 19053 in den Artilleriedepots. Während des Krieges wurden nochmals 7663 Stück an die Truppe geliefert. Sie verblieben dort bis zur Ablösung durch den Karabiner M/71. Aber nicht nur in Preußen wurde der Karabiner geführt, auch in Württemberg (ab 1869), Baden und Hessen war die Kavallerie teilweise hiermit ausgerüstet. Die Waffen kamen sowohl aus Sömmerda als auch nach 1870 aus Herzberg. Man kann sie nur an den nichtpreußischen Truppenstempeln identifizieren.

Karabinerschloß

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